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Krebs in Corona-Zeiten: Jeder Fall wird individuell bewertet

Wie wirkt sich das Coronavirus auf meine Krebstherapie aus? Gehöre ich zur Risikogruppe, wenn ich derzeit wegen meiner Tumorerkrankung behandelt werde? Was muss ich jetzt mit – oder nach meiner Krebserkrankung im Alltag beachten? "Krebspatienten haben in Zeiten von Corona viele Fragen, viele sind zutiefst verunsichert", sagt Onkologe Ansgar Weltermann, der die Tumorzentren am Ordensklinikum Linz leitet.

 

Risiko ist doppelt so hoch

"Studien aus China zeigen, dass diese Patienten tatsächlich ein Stück empfänglicher für die Infektion mit dem Coronavirus sind – demnach haben sie ein doppelt so hohes Risiko. Von 100 Patienten, die wegen einer Covid-19-Infektion im Krankenhaus aufgenommen werden, ist derzeit ein Krebspatient", relativiert Ansgar Weltermann.

Die Entscheidung über Verzögerungen oder Änderungen einer Krebstherapie müssten individuell getroffen werden, sagt Weltermann. "Jeder Krebs ist anders, jeder Mensch auch". Gehandelt wird nach den Richtlinien der Österreichischen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie, die besagen: "Kernpunkt ist die individuelle Abwägung des Risikos durch die Krebserkrankung gegenüber dem Risiko einer Infektion mit dem Corona-Virus".

Während viele Therapien bei beispielsweise heilbaren Brust- oder Darmkrebserkrankungen ganz normal weiterlaufen würden, habe man die Stammzellentransplantationen fast gänzlich heruntergefahren. "Nach dieser Behandlung sind Patienten massiv infektanfällig. Daher muss man diese Therapie verschieben, wenn es irgendwie möglich ist", sagt Weltermann.

Grundsätzlich aber gelte: Bei den meisten akut an Krebs erkrankten Patienten steht der Nutzen einer sinnvollen und geplanten Krebstherapie über dem Risiko einer möglichen Infektion mit dem Coronavirus. Als Onkologe fordert Weltermann alle Menschen – auch in Corona-Zeiten – dazu auf, bei auffälligen Symptomen wie Blut im Stuhl, Knoten in der Brust oder anhaltendem Husten dringend den Hausarzt aufzusuchen.

"Diagnostik und Behandlung von Krebserkrankungen funktionieren in der gleichen Schnelligkeit und Genauigkeit wie auch sonst".

 

Leben sie "ganz normal"

"Ich will Krebspatienten ermuntern, trotzdem Dinge zu machen, die das Leben ganz normal erscheinen lassen. Gehen Sie eine Runde spazieren, machen Sie Ihre Übungen und halten Sie sich an die Hygienemaßnahmen, mit denen wir alle in den kommenden Monaten leben werden", empfiehlt der Onkologe und verweist auf die informative Internetseite selbertun.at . 

Text: Barbara Rohrhofer / OÖN